
Stärkung des internationalen Schienenverkehrs: Bahnindustrie begrüßt jüngste Verpflichtung der Bundesregierung
Das Ministerium von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat in dieser Woche auf einer Verkehrsministerkonferenz in Den Haag mit Vertretern der EU und der Schweiz eine Absichtserklärung zum weiteren Ausbau der insgesamt sechs europäischen Schienen-verkehrskorridore unterzeichnet. Danach verpflichten sich die teilnehmenden Staaten, insbesondere die durch vier Länder führende Trasse des Korridors A von Rotterdam nach Genua bis 2015 mit einem einheitlichen modernen Zugsicherungssystem auszustatten. Das System heißt ERTMS und steht für European Rail Traffic Management System. Deutschland ist bislang mit der Umsetzung seiner Ausrüstungsverpflichtung auf dem 670 Kilometer langen Abschnitt des Korridors A deutlich im Verzug.
Berlin, 18.06.2010 – Der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB) begrüßt, dass mit der Unterzeichnung die bislang nur schleppende Ausrüstung des Korridors A sowie der anderen drei durch Deutschland führenden Korridore nun neue Impulse erhält. „Deutschland als Transit- und Eisenbahnland im Herzen Europas muss bei der Ausrüstung grenzüberschreitender Trassen mit ERTMS nun stark aufholen“, fordert VDB-Hauptgeschäftsführer Ronald Pörner. „Die Eisenbahn kann nur mit ERTMS gegenüber der Straße konkurrenzfähig sein. Ein einheitliches Zugsicherungssystem aller Anrainerstaaten ist deshalb dringend notwendig.“
Der Korridor A ist der wichtigste europäische Schienenverkehrskorridor. Die Trasse soll zu einer europäischen Rollbahn für den Nord-Süd-Verkehr zwischen Rotterdam und Genua werden und 50 Prozent des gesamten Nord-Süd-Verkehrs aufnehmen. Bislang fällt das Ausbautempo des Korridors A in den Anrainerstaaten unterschiedlich aus: In den Niederlanden sind bereits große Teile des Korridors mit ERTMS ausgerüstet und in Betrieb, in der Schweiz ist ein Teil in Betrieb, der Rest wird planmäßig fertiggestellt, in Italien steht bereits die Finanzierung. In Deutschland ist bisher weder die Finanzierung noch das Ausrüstungskonzept geklärt. Der nun auch durch die Bundesregierung erneut bestätigte Inbetriebnahmetermin 2015 lässt sich allerdings nur mit erheblichen zusätzlichen Anstrengungen halten. Die Bahnindustrie steht bereit, die Bundesregierung in einem nun notwendigen konzertierten Aktionsprogramm kompetent zu unterstützen.
Mit der unterzeichneten Erklärung haben sich die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Ita-lien, Spanien, Polen, Litauen, Tschechien, die Schweiz und Deutschland dazu verpflichtet, für den Ausbau der geplanten Schienenverkehrskorridore in Europa noch stärker zusammenzuarbeiten. Das von der EU-Kommission gesetzte Ziel ist ein leistungsfähiges Netz europäischer Schienenverkehrskorridore, um die Konkurrenzfähigkeit der Eisenbahnen gegenüber der Straße zu stärken.
Ein europäisches Eisenbahnkonzept zur möglichst einfachen Abwicklung des Schienenverkehrs über grenzüberschreitende Korridore gibt es seit rund sieben Jahren. Um dieses Ziel zu verwirklichen, müssen unter dem Begriff der sogenannten „Interoperabilität“ die europäischen Leit- und Sicherungssysteme harmonisiert werden. Die dafür nötige technische Lösung ist die Einführung des einheitlichen europäischen Signalsystems namens ERTMS. Es überwindet die bestehenden technischen Hürden für Signaltechnik an den nationalen Grenzen. Erst dann kann ein ungehinderter grenzüberschreitender Bahnverkehr erreicht werden.
Veröffentlicht am 18.06.2010.
Die Pressemitteilung im Original können Sie hier herunterladen.


